Samstag, 11. Juni. Basel - La Faurie. Rolf Z. Beat S. Urs F. und ich fahren in die schon fast legendäre Pfingswoche in die Provence. Wetter ab Basel OK aber Nordwind, sodass wir Annecy und St. Hilaire hinter uns lassen müssen. Da Beat ohne Behausung angereist ist, braucht er noch ein Zelt. Wir (besonders Rolf der Shoppingfreak) begleiten ihn selbstverständlich gerne in den Decathlon bei Grenoble. Einer muss bei den Autos bleiben, leztes Jahr war einer daran unser Auto aufzubrechen, just in dem Moment als wir rauskamen. Jeder kauft irgendwas Wichiges für sich, Beat ersteht ein so genanntes Wegwerfzelt, das sich dabei selber öffnet und gleich bezogen werden kann. Das Zusammenlegen gestaltet sich auch unter
Rolfs Anweisung etwas schwieriger. Eine Chance aufs Fliegen haben wir noch heute. Eine Autostunde südlich von Grenoble liegt Mens in einem wunderschönen Hochtal mit einer gewaltigen, nach Norden ausgerichteten Bergflanke des Mont l'Orbiou. Da man den Startplatz nur noch zu Fuss in ca. 1 Stunde erreicht, wird dort kaum mehr geflogen. Aber wir werden dafür belohnt. Die Staubewölkung hält was sie verspricht. Wir soaren bis an den dunklein Deckel hoch und es geht überall butterweich, kaum sinken. Nach einer
Stunde landen Rolf, Urs und ich. Beat lässt es dem Grat entlang schleifen und landet auf dem Col de la Croix Haute. Auf der Weiterfahrt nach Süden picken wir ihn auf. Die Landung auf dem windigen Pass war
wohl etwas sportlich... Erstes Camp in La Faurie, am Nordfuss der Bergkrete von Aspres sur le Büech. Free Wireless Zugang. Die Beiz auf dem Zeltplatz ist voll, es gibt Pizzas und Vin rouge. Vom Letzteren hat einer von uns immer wieder nachbestellt. Wir finden später unsere Zelte trotzdem wieder.
Sonntag, 12. Juni. La Faurie. Beinahe windstill. Wir wollen wenigstenst einen Morgenflug machen, da weiterhin Nord, zwar abnehmend gemeldet ist. Die Strasse auf den 1564 m hohen Jouffan ist tiptop im Schuss, oben windstill. Wir geniessen die fantastische Aussicht und den Füdleflug zum Campingplatz runter. Beat fliegt nicht ohne Thermik und fährt das Auto zurück. Wir packen wärmere Sachen ein und ich wechsle vom Leicht- zum Schlafsackgurtzeug. Ab Mittag verlässt man die riesige Spielwiese
auf dem Grat in sportlichem Tempo nach oben an die Basis. Wir verlieren uns in der Luft, während Rolf es gemütlicher nimmt. Urs landet nach Längerem in Aspres s.Büech, Beat und ich landen noch später top. Es gibt Deltapiloten, die starten erst jetzt, unbegreiflich für uns. Gegend Abend lassen wir beide es nochmals krachene, es geht ab wie die Post. Bei 2900 m muss ich von der Wolke absteigen, weil unter mir Planeurs
(Segelflieger) rumkurven. Beat macht auf der anderen Talseite über 3000 m und landet im Camp. Rolf nimmt unser Auto und ich das eines delta-fliegenden Holländers mit runter. Heute Abends gibts Lasagne, beim Getränk ändert sich in der Art und Menge nichts.
Montag, 13. Juni. Aspres s. Büech - Digne Les Bains - St. Andrè. Nach dem Frühstück bei Sonne inspizieren wir die Mongolischen Jurten, die man auf dem Camping als Behausung mieten kann. Feine Sache, wenn Mann mal mit dem Büssi unterwegs ist. Wir ziehen weiter und machen einen Badestop in Digne. Schönes Naturfreibad, Eintritt frei. Der Flugberg steht ungenutzt auf der anderen Flussseite.
Der Wind auf dem Chalvet in St. Andrè war zu stark für Experimente. Ein "Südschwede" wagt als einziger einen Flug, wird verblas(s)en und landet hinter dem Dorf im Outback.
Pulsmässig immer noch auf Hundert erzählt er uns kurze Zeit später, wie er froh war endlich am Boden gestanden zu haben, dann aber von zwei
Bauern mit Knüppeln von ihrem Land weg zum Teufel gejagt wurde. Was da wohl falsch lief? Nach einer kurzen Biketour gingen wir bis zum Abendmal an den Westhügel von St. Andrè und verbrauchten in den Westwindböen überschüssiges Testosteron oder andere eben nur Kalorien. Der Typ aus der Flugschule empfahl uns ein gutes Restaurant ausserhalb des Dorfes. Best Place in Town! Wir assen drei Abende dort.
Dienstag, 14. Juni. St. Andrè. Atomtag. Landung auf dem Cheval Blanc (Staubiger Esel) 2300 m zu dritt. Rolf war nicht so anspruchsvoll und ballönlete ein bisschen am Chalvet rum. Basis bescheiden auf ca. 2000 m nachmittgs am Start, später auf 2600 m steigend. Obwohl alle drei. Urs, Ike und ich jeder seine eigene Route flog, landeten nach einer guten Flugstunde alle auf dem ca. 20 km entfernten, hellen Gipfelgrat.
Die Windverhältnisse beim Landen waren ideal, schön gleichmässiger Aufwind am Grat. Mittagsstunde unter Geiern auf dem Top of white Horse, wie bei Karl May. Liege u blöd schnure, wie das so üblich ist unter echten Kerlen, weit abgelegen und ohne Frauennähe.
Einer pupste laut - keiner reklamierte... Eine Stunde später frischte der Wind aus nördlicher Richtung auf. Alle kamen in die Luft und machten Höhe.
Obwohl wir den Rückweg absprachen und gemeinsam fliegen wollten, wusste es jeder natürlich besser und jeder flog wieder für sich. Ike und ich voran, Urs kam ca. 1 Stunde später - mit Autostop - auf den Landeplatz in St. Andrè. Die Wolken hatten inzwischen bedrohliche Ausmasse angenommen, es wurde duster rundum.
War wohl besser, jetzt am Boden zu stehen. Es war erst halb vier. Eine schöne Biketour lag noch drin auf die Alp Courchon vis à vis des Chalvet. auf der anderen Talseite regenete es. Talfahrt zurück auf einem Singletrail vom Feinsten. Zwei Stunden später alle wieder bei den Zelten. Man hatte noch immer nicht genung. Ein Evening-Flight läge noch drin, als hoch auf den Chalvet, ich spiele Chauffeur, das heutige Programm reichte, bin nicht mehr der Jüngste.
Es ist ca. 19 Uhr. Ike und Urs starten bei unterschiedlichen Verhältnissen aber beide beamt es hoch bis an den dunklen Deckel und fast nirgends sinken.
Die beiden sind sich vieler Zuschauer sicher, "man" ist gespannt, was die Zwei in der Luft aus diesem Wetter machen. Es ging alles gut aber der Landeort war so nicht geplant. Dies hatte aber den Vorteil, dass der Weg zum Restaurant nach dem Rückholdienst viel direkter war.
Mittwoch, 15. Juni. St. Andrè. Es kummuliert und schattet ab bereits vor Mittag. Start gegen Süden am Chalvet. Beat macht Höhe, fliegt raus ins Tal, erwischt nichts brauchbares und landet wenig später. Rolf macht ein bischen Sightseeing und geht ebenfalls zu Boden. Ich fliege an die Crete des Serres 1685 m nach Osten unter einen schwarzen Deckel, immer am Rande, damit es mich nicht reinzieht. Inspiziere das Tal dahinter, umrunde die schwarze Wolke nördlich und kehre wieder an den Chalvet zurück und weiter über Courchon, wo wir mit dem Bike unterwegs waren. Als es nur noch hoch geht und
es rundherum überentwickelt muss auch ich landen. Abends nochmals gemeinsam auf den Chalvet. Abendsonne aber null Wind, aussergewöhnlich. Rolf und ich erwischen die schwache Thermik, Urs ist etwas zu tief. Trotzdem ein schöner Abschluss, wir gehen wieder fein essen, man wird begrüsst wie Stammgäste. Rolf montiert sich eine gefundene dänische Autonummer an das Auto. Er geht am Samstag mit seiner Liese Silvia dorthin in Urlaub und erhofft sich Vorteile als Einheimischer auffahren zu könnenUm keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, Silvia heisst mit Nachnamen Liese :-)
Donnerstag, 16. Juni. Saint Vincent les Fort. Wir essen eine Kleinigkeit beim Holländer am Startplatz. Infolge des Wolkenbildes bin ich zappelig und will baldmöglichst starten. Der Wind steht nicht wie sonst vom See her gegen die Krete. Der Südwind ist spürbar. Gleich nach dem Start geht die Pumpe hoch, Beat folgt.
Mega sanfte Thermik bis an den Deckel. Der Südwind versetzt uns an den Pic du Morgon, 2400 m auf der anderen Seeseite, wir können nach Embrun runterschauen. Ich fliege Richtung Westen, bis dort wo sich der See du Serre Ponchon teilt, überquere diesen Richtung Montange del la Scie 1500 m.
Es wird zunehmens dunkler und es geht auch da hoch, wo man es nicht erwartet. Ich spirale aus 2700 m runter, drücke den Speed und fliege zurück an den Startplatz. Kurz nach unserem Start muss der Süd durchgebrochen sein, Urs und Rolf konnten gar nicht mehr starten, schade.
Auf der weiteren Heimfahrt Richtung Grenoble regnete es ausgiebig. Rolf hatte frühzeitig die gute Idee, im Hotel Formel1 Doppelzimmer für 33€ zu buchen. Etwas gewöhnungsbedürftig aber sauber und voll OK. Wir gingen zum ersten Mal richtig in den Ausgang ins Downtown von Grenoble. Hie und da gab es doch eine nettere Begegnung der anderen Art. Aber natürlich viel zu Jung für uns alte, unrasierte Cräcks. Aber luege darf me ja...
Freitag, 17. Juni. Heimfahrt. Ausser Urs hat irgendwie keiner mehr Bock aufs Fliegen. Die Woche hat satt gemacht, das Wetter war viel besser als die Prognosen am Anfang, die Truppe hat gepasst. Vor über 15 Jahren haben wir, stets in unterschiedlicher Besetzung, mit der Flugwoche in Frankreichs Süden begonnen. Eines hat sich in den letzten Jahren geändert:
Die Schlafsackunterlagen werden immer dicker oder die Rückenschmerzen grösser. Je nach dem, ob man sich zum älter werden bekennt oder nicht. Gäll Urs, hesch de nid jedes Mal ä Veteran derbi, wo dir dr Rügge isalbet, wes am Morge weht tuet winemore. Hasta proxima!
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