Samstag, 20. Mai 2011
Der Flohmarkt in Solothurn ist wohl was reizvolles, aber wenn bereits nach 11 Uhr vormittags die ersten Cräcks am Weissenstein starten und Höhe machen, und wenn das Ganze noch vom Flohmarkt direkt einsehbar, ist das schon etwas ungünstig, um länger zwischen dem angebotenen Ramsch und den einzelnen Raritäten zu verweilen.
Eine Alternative wäre doch Fliegen und anschliessend Baden am Neuenburgersee, ging mir durch den Kopf. "Wenn's guet isch muessch ga", ist meine Zielvorgabe seit mehr als 20 Jahren.
Glücklicherweise fährt nun, als Ersatz fürs Bähnli, jede volle Stunde ein Bus auf den Weissenstein. Wie im Wetterbericht richtig vorausgesagt, wehte ein leichter Rückenwind, der aber, wenn man den richtigen Moment abwartete, bis die Abschattung weg ist, ein Starten durchaus zulässt.
Didi Lutz will seine (neue) Waffe, einen Boomerang lüften und zieht ab.
Da andere Piloten noch "auf bessere Zeiten" warten, folge ich mit meinem 10 Jahre alten Biplace und meiner Amiga Angela. Das Rausfliegen bis zur Antenne ist heute gar nicht nötig.
Nach der Startschneise steht eine Megaschlauch. Erst als als ich sehe, dass Didi die Ohren anlegt und wieder runterflattert, erinnere ich mich, dass ev. TMA Basel aktiv sein könnte und bemühe mich, ebenfalls unter dem erlaubten Level zu bleiben.
Gen Westen siehts mega geil aus, ein dunkler Streifen Wolken entlang der Hügel. Bis zum Montoz keinen Kreis gemacht, immer grade aus. Irgendwo am Bielersee hat mich dann Didi wieder überholt.
Irgendwo hat er sich wohl mit seiner Waffe ein bisschen vergamt. Vor dem Chasseral habe ich dann ein wenig Höhe getankt, weil der ganze Hügel im Schatten lag. Ich hielt zwei Hochleister im Auge, die sich vor der Antenne wieder hochkämpften.
Ich flog am Wolkenrand entlang. Ich hatte das Gefühl, dass ab und zu der Nordostwind (Bise) Einfluss hatte. Man wurde Richtung Flachland gestossen und ein paar Segelflieger und 2/3 Gleitschirme, mehr sah ich nicht, wählten ebenfalls eine Route nördlich der Wolkenkette.
Obwohl wir mit einem Schnitt von über 25 kmh unterwegs waren und uns es mit Sicherheit noch so weitergegangen wäre, wollte ich meiner Freundin den Spass am Fliegen nicht verderben. Als ich kurz nach dem Chasseral den Fotoapparat nicht richtig aus der Hülle bekam und deswegen den Hanschuh auszog und die Bremse loslies, gleichzeitig einen 50 % Klapper einkassierte und die Flügelkontrolle etwas ins Wanken geriet, protestierte sie: Wenn du jetzt nicht anständig fliegst, kotze ich dich an...:-)
Das war mit Grund genug, den Neuenburgersee anzusteuern und Streckenflugambitionen in den Hintergrund zu stellen. Das einzig Richtige, wie ich wenig später schwimmend im Wasser zugeben musste. Kilometerraspeln ist ja OK, aber die damit verbundenen Möglichkeiten für ein "fliegendes Paar" sind halt auch nicht ohne... Während wir über den See flogen, fand eine Regatta für Kids mit Kanonenschussstart statt. Wider Erwarten gab es hier Westwind statt Bise. Die Wiese, die wir während des Überfliegens am Seeufer ausmachten, war sowas von einladend, da muss man einfach landen. Touch down wie im Bilderbuch, raus aus dem Kombi, dem Helm und den Handschuhen.
Der See, keine 20 m entfernt, lud zum Baden ein, das Wasser über 20° - gibt es da noch für offene Wünsche?
Nach dem Baden und Sonnen ein Direktzug zurück nach Solothurn.
Mit einem guten Nachtessen auf der Dachterrasse verwöhnte mich meine Passagierin und Freundin für den für beide aussergewöhlichen Tag. 55 Km Flug, knappe 2 Stunden, max Höhe 2369 m, max Steigen 7,5 m und eine kleine Zerlegung mit einer etwas ruppigen Wiederhestellung des Flugzustandes, alles im grünen Bereich.
Wollte ich neulich nicht einen neuen Biplaceschirm kaufen?
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